Der Maurushof, ein Einzelhof, liegt umgeben von wunderschönen Wiesen am sonnigen
Südhang. Der nahe Wald bringt im Sommer auch nach heissen Tagen Abkühlung für
erholsame Nächte. Im Winter strahlt der silberweiss verschneite Wald wohltuende Ruhe aus.
Vom Beginn der Milchwirtschaft im Westallgäu bis in die ersten Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde auf den Wiesen Jungvieh gealpt: während der Sommermonate grasten Kälber und Schumpen auf den saftigen Weiden. Schutz vor der hochstehenden Sonne und den lästigen Fliegen, Mücken und Ross-Bremsen bot ihnen der Stall der Saueralphütte am Binstobel-Bächle.
Dann rodeten fleissige Hände den Fasel - niedrige Büsche, Brombeeren und Farnkraut: neues Weideland entstand. An die Alphütte wurde eine Tenne mit Heulager für die Winterfütterung angebaut. Jetzt konnten die Tiere auch den Winter auf der Saueralp verbringen. Milchkühe zogen in den Stall.
Morgens und abends wurde die Milch in der "Mill-Butte", einer großen Kanne, auf der "Kräze", einem hölzernen Gestell für den Rücken fast einen Kilometer weit in das Sennerei-Lokal getragen. Im Winter wurden die Wege zum "Lokal" von allen Nachbarn gemeinsam mühsam freigeschaufelt: Die Ober-Buchenbühler schaufelten hinab, die Unter-Buchenbühler schaufelten hinauf. Der Käser der Genossenschafts-Sennerei verarbeitete die Milch zu Butter und Käse, dem feinen, nussigen Allgäuer Emmentaler.
In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das Wohnhaus im Widerkehr gebaut - nach guter, alter Sitte aus Holz. Raum wurde gebraucht, mussten doch neben 7 Kühen jetzt auch 7 Kinder versorgt werden.
Viel Handarbeit war notwendig auf den steilen Wiesen: beim täglichen Eingrasen für das Vieh, bei der Heuernte, beim Mistspreiten ... und bei der Arbeit im Holz. Lohnarbeit im Wald war für den Bauern und die Bäuerin (!) ein karges Zubrot. Nur das Schwärzen, der Schmuggel über die nahe Grenze zu Österreich, war allein Männersache...
Den Erntewagen zogen 2 Kühe bis endlich genügend Geld für eine elektrische Seilwinde zusammengespart war. Die Winde mit dem 400m-langen Drahtseil und den Umlenkrollen ist für Jahrzehnte das einzige Hilfsmittel bis die "Neue Zeit" mit zwei Haflingern, den "blonden" Pferden, in den 70er Jahren auf dem Maurus-Hof eintrifft...
"Die neue Zeit" bringt eine neue Wirtschaftsweise. Die "Chemie" fliegt raus: es ist endgültig Schluss mit dem Einsatz von Kunstdünger, Herbiziden und Milchpulver für die Kälberaufzucht! Der neue Stall wird gebaut, die Tiere ruhen auf einer Matratze aus Stroh und Sägemehl, gedüngt wird im späten Herbst ausschließlich mit dem Mist der Rinder, Pferde und Hühner. Anfang Mai werden den Mutterkühen Glocken umgehängt, sie leben jetzt gemeinsam mit ihren Kälbern und dem Stier bis zum ersten starken Frost Tag und Nacht auf der Weide. In den heissen Sommerwochen ruhen sie tagsüber im kühlen Stall.
Heute leben zwar keine Rinder, jedoch glückliche Hühner, unser Hahn Karuso, Bienen,
unser Kater Oskar und der Hofhund Clifford auf dem Maurushof, und wir hoffen noch auf Zuwachs von Schafen oder Ziegen...
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